Wie man nach Türkei reist
Einleitung
Die Türkei ist ein wunderschönes Land, vor dessen Besuch man sich mit dem Auto keinesfalls fürchten muss. Wir waren bereits zweimal dort. Beim ersten Mal war es sogar unsere erste längere Reise, abgesehen von einer kurzen Testfahrt nach Polen. In diesem Artikel möchten wir Euch einige Ratschläge und Erfahrungen weitergeben, die wir in der Türkei gesammelt haben – Dinge, die in unseren Videos vielleicht nicht so deutlich werden.

Die Route
Auch wenn wir keine Vollzeitreisenden sind und nur begrenzt Zeit zur Verfügung haben, bedeutet das nicht, dass wir die Fahrt in einem einzigen Rutsch zurücklegen. Schon auf dem Weg dorthin lohnt sich die Suche nach interessanten Orten – und davon gibt es jede Menge.
Wenn Ihr wie wir bei unserem ersten Trip den rumänischen Transfăgărășan wählt, liegt Ihr goldrichtig. Die Fahrt zum Gipfel ist ein Erlebnis für sich – und der Ausblick auf das Tal ist überwältigend. Auf der anderen Seite des Gebirges könnt Ihr sogar bettelnde Bären am Straßenrand sehen. Ein beeindruckender Anblick – aber beobachtet sie bitte nur aus sicherer Entfernung aus Eurem Auto.
Vergesst nicht: Es bleiben wilde, gefährliche Tiere, auch wenn sie süß aussehen. Weiter entlang der Strecke könnt Ihr auch am Schwarzen Meer in Bulgarien Halt machen. Alternativ könnt Ihr einen etwas größeren Bogen über Griechenland nehmen. Auch diese Route führt durch Rumänien und Bulgarien, wo es zahlreiche sehenswerte Orte zum Schlafen oder Erkunden gibt – etwa den Bigăr-Wasserfall in Rumänien, die Höhle Ledenika oder die Thermalseen in Rupite in Bulgarien. In Griechenland laden der Wasserfall Varvara und die heißen Quellen von Eleftheron zum Verweilen ein.
Wir würden dagegen nicht empfehlen, über Serbien zu fahren. Das mag zwar der schnellste Weg sein, führt aber fast ausschließlich über Autobahnen, auf denen man vom Land selbst wenig mitbekommt. Außerdem sind die Mautgebühren in Serbien recht hoch. In Rumänien und Bulgarien liegen die Vignettenpreise bei nur wenigen Kronen. In Bulgarien gibt es Vignetten sogar nur für das Wochenende, was ziemlich praktisch ist. Und beachtet – in Bulgarien braucht man auch für erstklassige Straßen eine Vignette.

Grenzübergänge
Ihr könnt auf verschiedenen Wegen in die Türkei einreisen. Wir sagen nicht, welcher Grenzübergang der beste ist. Generell gilt: je kleiner, desto schneller. Wir hatten allerdings am Übergang Malko Tarnovo ziemlich lange Wartezeiten. Die bulgarischen Zöllner waren entspannt und recht fix, doch die türkische Kontrolle war unglaublich langsam und chaotisch – obwohl wir alles ordentlich vorbereitet hatten.
An der türkischen Grenze gibt es eine dreifache Kontrolle; bei Malko Tarnovo sogar vierfach: Zuerst zeig Ihr Eure Pässe – man macht Fotos – dann Fahrzeugpapiere und die „green card“ (bitte unbedingt ausgedruckt, ein digitales Exemplar auf dem Handy reicht nicht!). Dann folgt eine physische Kontrolle des Fahrzeugs – alles muss vielleicht ausgeladen werden. Wenn Ihr das hinter Euch habt, steht oft noch ein vierter Schritt an, bei dem die ersten beiden Kontrollen wiederholt werden. Bei uns gab es schon Situationen, in denen wir wegen angeblich unvollständiger Dokumente zurückgeschickt wurden – obwohl wir alles griffbereit hatten. Chaos pur.
Andererseits hatten wir an den Grenzstationen Edirne und İpsala keinerlei Probleme: Die Abfertigung verlief recht zügig – innerhalb von 30 Minuten sind wir durch gewesen.

Spritpreise
Maut und Vignetten hatten wir ja schon angesprochen. Warum lohnt sich das Tanken in Bulgarien? Weil Diesel dort etwa 0,20 € günstiger ist als bei uns. In Nordmazedonien noch ungefähr 0,12 € günstiger. In Griechenland oder Ungarn dagegen solltet Ihr nur das Nötigste tanken – in Griechenland war der Diesel bei uns sogar rund 0,61 € teurer.

Straßen in der Türkei
Nach der Grenze kommt Ihr wahrscheinlich nach Istanbul – einer gewaltigen Stadt mit inzwischen etwa 16 Millionen Einwohnern. Wenn große Städte Euch nichts ausmachen, findet Ihr es sicher interessant. Für uns war das nicht ideal, und die Durchfahrt hat mehr als drei Stunden gedauert.
Fahrt Ihr hingegen über Edirne oder İpsala, führt Euch die Strecke wahrscheinlich nach Gelibolu und Çanakkale – angenehmer, da Ihr große Städte meidet. Für die Überfahrt über die Dardanellen könnt Ihr zwischen Brücke und Fähre wählen: Die Fähre ist günstiger, die Brücke kostet etwa 750 CZK (ungefähr, ich erinnere mich nicht mehr genau). Die Fähre liegt preislich etwa bei der Hälfte.
Auf den türkischen Autobahnen – wir unterscheiden vereinfacht zwei Arten – ist entweder bezahlt: Entweder kauft Ihr einen Gutschein, ladet eine App, registriert Euch oder zahlt an Mautstellen. Die Maut selbst ist nicht teuer, aber auf großen Strecken – bei den Dimensionen der Türkei – kündigt sich einiges an. Die zweite Art sind vierspurige Straßen – ähnlich einer D1 bei uns, meist kostenlos, aber mit Städtepassage, die Euch schöne Einblicke ins Land bietet: Eselgespanne, Obststände am Straßenrand oder sogar Traktoren entgegen der Fahrtrichtung, weil der Feldweg kürzer ist.
Danach gibt es „normale“ Landstraßen („jedničky“). An der Küste oder in Touristenregionen meist in Ordnung, aber ansonsten oft ziemlich kaputt.
Spritpreise sind einer der Gründe, warum Reisen in der Türkei so einfach ist. Es ist keine Seltenheit, Tankstellen mit bis zu 15 CZK günstigem Diesel zu finden – im Vergleich zu Hause.

Kosten in der Türkei
Nicht nur Sprit ist deutlich günstiger – fast alles ist ein Drittel bis zur Hälfte billiger als bei uns. Einzige Ausnahme aufgrund des religiösen Einflusses: Alkohol. Es gibt weniger Auswahl und er ist wirklich teuer. Eine Flasche günstigen Weins, die wir zu Hause maximal für 4,08 € bekommen, kostet dort etwa 19 €. Ein einfaches Bier, das nicht besonders gut ist, im Supermarkt ca. 3,50€, in Restaurants deutlich mehr – ich habe mal in Bodrum ein Bier für 19 € bezahlt, weil mir das gar nicht bewusst war.
Abgesehen davon ist vieles wirklich günstig: eine süße Melone für 0,08 € pro Kilo, ein Brotlaib (ein Drittel der Größe unserer typischen Brote) für 0,25 €, drei Dosen Thunfisch für 2,04 € – und geschmacklich kaum zu vergleichen. Wir haben sehr oft frischen Fisch gekauft – Dorade kostete etwa 8,2-10,20 v pro Kilo.
Auf einem kleinen Dorf wie in Salda zahlte ich für zwei Brote und ein Kilo Tomaten nur 0,25€ – und konnte sogar mit Karte zahlen! Und in Restaurants ist das Essen oft um die 3,27 € inklusive Getränk, meistens lagen wir bei etwa 4,08 € pro Mahlzeit.
Auch Kleidung, Schuhe, Uhren etc. sind auf lokalen Basaren (Pazar Yeri) sehr günstig – wenn Euch Marken nicht wichtig sind. Auch Batterien für Euren Camper könnt Ihr stark vergünstigt finden. Wir brauchten einen Ersatzakku und bekamen einen LiFePO₄ mit 100 Ah für 142 € – bei uns würde der um die 410 € kosten.
Ich könnte noch viele Beispiele nennen – Eis für 0,41 €, komplette Angelruten-Sets für 61 € – aber Ihr bekommt sicher schon ein gutes Gefühl, wie günstig es dort ist.
Einige Eintrittspreise für Sehenswürdigkeiten sind allerdings hoch – zum Beispiel 33 € für den Burgzugang in Bodrum oder in Pamukkale. Andere, wie die Ruine in Knidos, kosten nur etwa 3 €. Dazu gibt es viele kostenlose Sehenswürdigkeiten.
Eine Ausgabe, die dort wirklich stark ins Gewicht fällt, sind Hundefutterpellets: ca. 16 € pro Kilo. Da viele streunende Hunde umherlaufen und wir sie oft füttern, war es günstiger, Pasta für 0,12 € zu kochen und mit Thunfisch zu mischen, als Pellets zu kaufen.

Sicherheit
Wir haben oft gehört, dass man in der Türkei beklaut wird oder es gefährlich sei – dem ist nicht so. Uns ist nie etwas zugestoßen. Wir ließen oft Campingmöbel (Stühle, Tisch, Sonnenschirm) am Strand stehen und fuhren mal für einen halben Tag weg – alles war unversehrt. Die Menschen sind meist sehr freundlich und hilfsbereit. Als uns am See Bafa Gölü die Starterbatterie versagte, kam fast das ganze Dorf, um uns zu helfen.
Einmal hatten wir einen schlechten Zwischenfall: Auf der kostenlosen Landstraße kam ein älterer Herr mit lautem Hupen auf uns zu, wollte, dass wir anhalten – er behauptete, ein Rad boxen zu müssen. Er hatte Wagenheber und Werkzeug im Kofferraum, wollte uns in eine Werkstatt bringen. Als ich, Automechaniker, erklärte, dass ich selbst handle, winkte er ab und fuhr davon. Das war wirklich unsere einzige negative Erfahrung.
Sicherheitskontrollen sind in der Türkei häufig, aber wir wurden nie als Touristen besonders herausgegriffen. Man fühlt sich dort sicher und willkommen.

Telefon und Internet
Als wir das erste Mal in der Türkei waren, hatten wir mit Internet und Telefon zu tun. Man kann eine Einmalkarte kaufen, muss aber seinen Reisepass vorzeigen, wird in das System eingewiesen und als Ausländer kontrolliert. Die auf den Prospekten angegebenen Preise gelten nicht für einen selbst, und jeder Tarif kostet etwa das Doppelte. Das gilt nicht nur für TurkTelekom, sondern auch für Vodafone. 10 GB Datenvolumen kosteten laut Preisliste etwa 18 Euro, uns wurden sie aber für 60 Euro verkauft. Sie folgten dem Passwort: Bezahlen, wenn man es braucht. Bei unserem zweiten Besuch in der Türkei nutzten wir die eSIM-Dienste von Airalo. Hier kann man aus verschiedenen Tarifen je nach Tag oder Datum wählen. Die Preise beginnen bei 4 Euro für 1 GB und reichen bis zu unbegrenztem Datenvolumen für 31 Euro.
Streunende Hunde
Die Türkei ist bekannt dafür, dass es dort viele streunende Hunde gibt. Das wussten wir schon vor unserer ersten Reise. Doch dass es so viele sein würden – damit hätten wir niemals gerechnet. Egal, wo wir anhielten, sofort kamen ganze Rudel von mindestens zehn Hunden angelaufen. Jeder einzelne hoffte auf etwas zu essen, die Mutigeren sehnten sich sogar nach einer liebevollen Berührung. Wir kochten jeden Tag für sie. Viele waren abgemagert, die Hündinnen hatten oft hängende Zitzen, die fast den Boden berührten – ein stilles Zeugnis ihres harten Lebens. Und doch fanden wir an jedem Ort einen „Freund“: der eine war der Spaßvogel, der andere ein kleiner Schmusebär. Keiner dieser Hunde war böse – im Gegenteil: Jeder war unendlich dankbar für die wenigen Momente der Zuwendung, die wir ihnen schenken konnten. Wer uns folgt, weiß auch von jener besonderen Begegnung: An einem Strand gesellte sich eine vier Monate alte Hündin zu uns. Sie war Teil eines zwölfköpfigen Rudels, in dem eindeutig ihre Mutter, ihr Vater und ein Brüderchen dabei waren. Während die anderen um Futter bettelten, kletterte dieses kleine Fellknäuel auf meinen Schoß – und schlief ein. Am Abend legte sie sich zu uns ins Auto. Und so geschah es, dass sie schließlich bei uns blieb. Wir ließen ihr einen internationalen Impfpass ausstellen, sie chippen und nahmen sie mit nach Hause. Heute wissen wir: Es war die beste Entscheidung. Auch wenn sie manchmal Unsinn macht, ist sie ein unglaublich dankbarer und glücklicher Hund. Darum unser Herzensappell an Euch: Wenn Ihr in die Türkei reist, helft ihnen! Sie können nichts für ihr Schicksal. Nehmt ein paar Futterbeutel mit – und wenn es für Euch möglich ist, schenkt einem dieser Hunde ein Zuhause. Ihr werdet sehen: Die Liebe, die Ihr gebt, kommt tausendfach zu Euch zurück.
Fazit
Der einzige Schönheitsfehler an diesem wunderbaren Land ist der immense Müll, der herumliegt – entlang der Straßen, an Stränden und in der Natur. Oft nicht von Reisenden, sondern von Einheimischen verursacht. Häufig haben wir selbst am Beginn unseres Aufenthalts unseren unmittelbaren Bereich gesäubert.
Wir haben die Türkei mit unserem Camper schon zweimal besucht und schon einiges gesehen. Dennoch würde ich mich nicht als Experten bezeichnen – auf keinen Fall. Aber wir haben Erfahrungen gesammelt und wissen, dass wir das Land noch mehrfach besuchen werden, denn es gibt immer noch viel zu entdecken, und Camper sind hier herzlich willkommen.
Ihr braucht keine Angst zu haben – die Türkei könnt Ihr sorglos genießen. Ich hoffe, wir konnten Euch mit diesem Artikel zumindest ein paar hilfreiche Infos geben und Euch für eine Reise begeistern.
Alle Erlebnisse könnt Ihr in unseren YouTube-Videos nachverfolgen – dort zeigen wir die tollen Plätze, die wir entdeckt haben. Bitte verzeiht die Videoqualität aus 2024 – es war unsere erste Saison, wir filmten und schnitten mit dem Handy. In 2025 verwenden wir nun bessere Technik und professionelles Schnittprogramm.
