Einleitung – Die Fahrt
Unsere Reise durch Sardinien begann bereits in Italien. Wir werden hier nicht den Weg nach Italien selbst beschreiben – jeder wählt ohnehin eine etwas andere Route. Ich erwähne nur kurz, dass wir über Nürnberg nach Innsbruck und weiter über den Brennerpass gefahren sind. Nach dem Grenzübertritt zwischen Österreich und Italien hielten wir Kurs auf den Gardasee. Wir dachten uns: „In Italien zu sein und den Gardasee nicht zu sehen – das wäre ja fast eine Reisesünde.“
Nun, es stellte sich eher als Albtraum heraus. Vielleicht lag es daran, dass wir an einem Freitagnachmittag in die gleichnamige Stadt kamen – der Verkehr war völlig zum Erliegen gekommen. Nach einer halben Stunde im Stau erkannten wir, dass es mit einer Übernachtung in der Umgebung wohl ähnlich aussehen würde. Also drehten wir an einer Kreuzung um und beschlossen, lieber woanders hinzufahren.
In den Hügeln oberhalb der Stadt fanden wir einen Platz, der in der App Park4Night empfohlen wurde – versteckt hinter einem kleinen Dorf. Doch hier zeigte sich, dass man nicht jeder Information in dieser App trauen und Google Maps nicht blind vertrauen sollte. Die Navigation führte uns in eine enge Gasse, kaum so breit wie unser Van, und weiter bergab Richtung Tal. Nach wenigen Metern war uns klar, dass das keine gute Idee war. Wir suchten verzweifelt eine Möglichkeit zum Wenden – vergeblich. Nach anderthalb Kilometern erreichten wir das Ende der Straße bei einem kleinen Einfamilienhaus. Umdrehen war unmöglich, also mussten wir den ganzen Weg rückwärts zurückfahren.
Das war ein echtes Abenteuer – eine enge, kurvenreiche Bergstraße bergauf, und das Ganze im Rückwärtsgang! Nach über einer halben Stunde standen wir wieder auf der Hauptstraße. Diese Erfahrung, kombiniert mit dem Chaos am Gardasee, nahm uns die Lust, in dieser Gegend zu bleiben. Also fuhren wir weiter – unser Ziel war ein anderes Bergseengebiet, die Toskana.
Unser nächstes Ziel war der Lago di Vagli. Eigentlich handelt es sich um einen Stausee, aber die Italiener nennen ihn „Lago“, also bleiben wir auch dabei. Bei dem kleinen Ort Vagli Sotto gibt es am Ende des Sees einen Betonparkplatz, auf dem man ohne Bedenken stehen kann. Von dort aus spazierten wir zu einem nahegelegenen Freibad, wo es einfache Snacks gab, und entdeckten auch eine interessante Hängebrücke über dem See – die sogenannte „Tibetische Brücke“, erbaut zu Ehren italienischer Seeleute.
Nach der langen Fahrt blieben wir dort zwei Tage, bevor wir frühmorgens in Richtung Livorno aufbrachen – zum Fährhafen.
Die Fähre
Unsere Fährtickets hatten wir bei Grimaldi Lines gebucht. Eine Kabine kauften wir nicht, da die Überfahrt tagsüber stattfand und rund neun Stunden dauerte. Nachdem wir den Van im Schiffsdeck abgestellt hatten, gingen wir an Deck. Wir dachten, von oben aus könnten wir das Meer genießen – Irrtum. Die oberen Sitzbereiche waren fast vollständig besetzt, und für uns blieb nur ein Platz in der Nähe der Bar, wo laute Musik spielte. Die Sitze waren unbequem, vor allem aber störte uns der Lärm – wegen der Hunde.
Also beschlossen wir, auf das untere Deck zu gehen, wo sich Restaurants und Cafés befanden. Dort ergatterten wir eine der letzten bequemen Eckbänke. Unsere beiden Fellnasen wurden sofort zu Lieblingen der Italiener, und auch die Crew hatte nichts dagegen, dass Sendy es sich auf der Sitzbank gemütlich machte und einschlief.
Die Rückfahrt, knapp drei Wochen später, verlief fast identisch – aber eben nur fast. Wir waren klüger und gingen diesmal gleich nach unten, doch die aktuelle Crew schickte uns von dort weg. Oben war wieder alles überfüllt, also beschlossen wir kurzerhand, diesmal eine Kabine zu kaufen. Es war nur noch eine frei – die Eheleute-Suite für etwa 3.500 CZK (ca. 140 €). Wegen unserer Hunde entschieden wir uns, sie zu nehmen.
Zur Reederei selbst: Grimaldi Lines betreibt saubere Schiffe mit bequemen Sitzbereichen – abgesehen vom oberen Deck. Der Service ist gut und nicht überteuert. Ein Kaffee oder Croissant kostet rund 1,50 €, ein Mittagessen im Bordrestaurant zwischen 19 € und 30 €. Es gibt sogar ein kleines Wellnesscenter – drei Stunden kosten etwa 30 €.
Dass wir auf der Rückfahrt wegen der Hunde ein Problem hatten, sehen wir nicht als negativ – es hängt einfach von der jeweiligen Crew ab. Die erste war entspannter, die zweite bestand streng auf die Regeln.
Und der Preis der Überfahrt? Das Hin- und Rückticket, ohne Kabine (die wir später vor Ort dazubuchten), kostete 440 €. Gebucht hatten wir die Fähre allerdings bereits drei Monate im Voraus, was sich preislich lohnte.
Strände und Wildcamping
Da wir mit unseren Hunden unterwegs waren, wussten wir schon vorher, dass die traumhaften weißen Sandstrände für uns tabu sein würden. Stattdessen suchten wir lieber etwas abgelegenere, einfachere Strände, wo unsere Fellnasen frei laufen konnten. Solche Plätze sind zwar selten, aber wir fanden immer wieder ruhige, schöne Orte.
Alle Plätze, an denen wir übernachtet haben und die wir ohne Bedenken weiterempfehlen können, haben wir übrigens in unsere Karte eingetragen.
Sehenswürdigkeiten
Sardinien bietet eine Vielzahl spannender Sehenswürdigkeiten – antike Ruinen, mittelalterliche Burgen und geheimnisvolle prähistorische Bauten, die sogenannten Nuraghen.
Wer, wie wir, mit Hunden reist, steht allerdings oft vor Herausforderungen: Nicht überall sind Hunde erlaubt, und manchmal ist der Eintritt schlicht überteuert – etwa bei den Ruinen des antiken Hafens Tharros, wo der Eintritt 25 € pro Person kostete. Zum Glück ist das Gelände so weitläufig, dass man auch ohne Ticket sehr viel zu sehen bekommt.
Die meisten Burgen befinden sich im Besitz von Vereinen, die sich um deren Erhalt kümmern. Die Eintrittspreise sind entsprechend unterschiedlich. Als wir auf Sardinien waren, fanden wir allerdings keine einzige geöffnete Burg. Kostenlose Ruinen, die man frei besichtigen kann, gibt es nur wenige – wir haben eigentlich nur eine einzige gesehen, hoch in den Bergen, im strömenden Regen, und haben auf die Besichtigung verzichtet.
Eine besondere Faszination üben die Nuraghen aus – kuppelförmige Steintürme, errichtet vor über 3000 Jahren von der geheimnisvollen Nuraghen-Kultur, ganz ohne Mörtel. Bis heute weiß man nicht sicher, wozu sie dienten: vielleicht Wachtürme, Vorratsspeicher oder Wohnstätten.
Auf Sardinien gibt es über 7000 dieser Bauwerke. In ihrer Nähe findet man oft riesige, kugelförmige Steine, die noch älter sind als die Nuraghen selbst – ihr Zweck ist bis heute umstritten. Manche glauben, sie seien Opfersteine, andere sehen darin eine Art Sternenkarte oder astronomischen Kalender.
Und dann gibt es noch die historischen Städte. Sardinien besteht nicht nur aus Olbia oder Cagliari, den beiden großen Häfen, sondern auch aus kleinen, zauberhaften Orten mit ganz eigenem Flair. Besonders empfehlen können wir Bosa, Pula und Orosei – kleine Städte, die mit ihrer Geschichte und Atmosphäre verzaubern.
Natur und Landschaft
Sardinien ist weit mehr als Meer und Strand. Die Insel hat auch Berge, Seen und Flüsse zu bieten.
Tatsächlich gibt es hier sogar einen kleinen Skilift, der in schneereichen Wintern für ein paar Tage in Betrieb ist. Außerdem findet man zahlreiche Wasserfälle – die meisten davon sind im September allerdings ausgetrocknet, ebenso viele Bäche und Flüsse.
Es gibt auch wunderschöne Höhlen, doch dort sind Hunde nicht erlaubt, weshalb wir keine besichtigen konnten.
Dafür durften wir mit Hunden in das Naturschutzgebiet Giara di Gesturi. Es umfasst rund 40 Hektar und man kann dort neben Rindern und Nuraghen auch wildlebende Pferde beobachten – ein wirklich besonderes Erlebnis.
Von den Seen auf der Insel möchten wir besonders den Lago Bau Muggeris und den Poligono Lago Omodeo empfehlen – beide eignen sich hervorragend zum Wildcampen und Entspannen in der Natur.
Verkehr und Preise
Die Straßenqualität auf Sardinien hat uns positiv überrascht. Abgesehen von ein paar schmalen Bergwegen sind die meisten Straßen in gutem Zustand und gut gepflegt.
Das Straßennetz ist mit einem dichten Netz aus mautfreien Schnellstraßen durchzogen, über die man rasch von einer Seite der Insel zur anderen gelangt.
Die sardinischen Autofahrer sind ruhige, gelassene Menschen – der Verkehr ist entspannt und fließt gleichmäßig.
Auch die Treibstoffpreise sind nicht übermäßig hoch – Diesel kostet etwa 2–3 Kronen mehr pro Liter als in Tschechien, also kein Grund zur Sorge.
Lebensmittelpreise sind vergleichbar mit denen zu Hause, manches ist sogar günstiger.
Ein Restaurantbesuch ist ebenfalls erschwinglich:
Pizza kostet meist 5 – 8 €, Bier 3 – 5 €, Kaffee oder Croissant rund 1 €, ebenso ein frisch gepresster Orangensaft.
Infrastruktur und Leben auf der Insel
Wenn man „Sardinien“ hört, denkt man sofort an eine Insel – doch diese Insel ist fast völlig autark.
Neben den üblichen Geschäften gibt es hier Fabriken, Steinbrüche, Raffinerien, Flughäfen, Eisenbahnverbindungen und vieles mehr. Kein Wunder – schließlich leben hier fast 1,75 Millionen Menschen, auf einer Fläche, die etwa einem Drittel Tschechiens entspricht.
Logisch also, dass Sardinien alles bietet, was man zum Leben braucht – nur sieht man auf den Straßen deutlich weniger Lkw als auf dem Festland.
Das Leben hier ist typisch südländisch: ruhig, ausgeglichen, freundlich. Die Sarden sind gelassene, herzliche Menschen, für die nichts ein Problem zu sein scheint – und diese Gelassenheit überträgt sich schnell auf einen selbst.
Rückreise – Durch die Schweiz
Nach knapp drei Wochen ging unsere Reise durch Sardinien zu Ende – aber unser Abenteuer noch nicht. Wie man so schön sagt: Der Weg ist das Ziel.
Auch die Rückfahrt wollten wir bewusst genießen.
Die Fähre erreichte Livorno gegen halb acht abends. Wir beschlossen, noch zwei bis drei Stunden in Richtung Schweiz zu fahren. Für die Nacht fanden wir einen Platz in den Bergen, an einem kleinen Bach nahe Parma – auf einer alten Forststraße.
Am nächsten Morgen fuhren wir weiter nach Como. Wir hatten keine Ahnung, was uns dort erwartete – wir dachten, es sei ein kleines Bergdorf an der Grenze. Falsch gedacht!
Como ist eine Stadt mit 87 000 Einwohnern, malerisch am See gelegen und stark touristisch geprägt. Schon bei der Ankunft fiel uns die Menschenmenge auf – unzählige Autos und Besucher. Nach einer halben Stunde Parkplatzsuche fanden wir schließlich einen Platz am Ende der Uferpromenade.
Wir machten einen kurzen Spaziergang mit den Hunden, merkten aber schnell, dass so viel Trubel nichts für uns war. Also kehrten wir in einem der Restaurants ein, aßen zu Mittag und machten uns dann auf den Weg Richtung Schweiz.
Unser Eindruck von Como: wunderschöne Stadt, tolle Lage, charmante Altstadtgassen, herrliche Architektur – aber für uns einfach zu überlaufen.
An der italienisch-schweizerischen Grenze winkten uns die Zöllner einfach durch, als sie sahen, dass unser Wagen ein Camper war. Gleich nach der Einreise begeisterte uns die Schweizer Landschaft – atemberaubende Ausblicke überall.
Interessant war: In den ersten Städten wie Mendrisio oder Lugano wuchsen Palmen – das verlieh dem Ganzen einen fast exotischen Touch, den man im bergigen Alpenland nicht erwartet hätte.
Doch das Schönste kam noch – die Alpenüberquerung.
Da die Schweizer Jahresvignette 42 € kostet und es keine Kurzzeitvariante gibt, entschieden wir uns, über Landstraßen zu fahren – und das war genau richtig.
So konnten wir unterwegs z. B. beim wunderschönen Cascata del Botto Halt machen und die Schweiz viel intensiver erleben als von der Autobahn aus.
Die Strecke führte uns schließlich bis auf 2100 Meter Höhe zum Lago della Piazza – ein grandioses Erlebnis!
Zwei Tage reichten natürlich nicht, um die Schweiz wirklich kennenzulernen, aber um sie zu durchqueren, ja.
Eines steht fest: Wir kommen wieder.
Und noch eine kleine Kuriosität – zumindest für mich als jemanden aus dem Verkehrssektor:
Wusstet ihr, dass in der Schweiz der Postdienst den regionalen Busverkehr betreibt? Ja, wirklich! Diese Tradition stammt noch aus der Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie, als Postkutschen nicht nur Briefe, sondern auch Menschen beförderten.
In der Schweiz (und teilweise auch in Süddeutschland) hat sich dieses System bis heute erhalten.
Fazit
Was bleibt also zu sagen?
Sardinien – samt An- und Rückreise – war für uns ein rundum gelungener Trip.
Wir können die Insel wirklich jedem empfehlen.
Es gibt allerdings ein kleines „Aber“:
Die traumhaften weißen Strände, die man aus dem Internet kennt – türkisblaues Wasser, europäischer Karibikflair – sind für Hundebesitzer leider tabu.
Man muss sich mit den „Stränden der zweiten Kategorie“ begnügen – aber auch die sind wunderschön, sauber und ruhig.
Wildcamping ist auf Sardinien nicht so unkompliziert wie in der Türkei oder früher in Griechenland, doch wenn man sich respektvoll verhält, findet man auch hier seinen Platz.
Und wenn ihr euch fragt, ob sich der Aufwand mit der Fähre und der langen Anreise lohnt –
unsere klare Antwort lautet: Ja, absolut!
Es lohnt sich auf jeden Fall.